Triumph der Farben (Halbleinen)

Schriftenreihe der Kunststiftung NRW 12, Literatur
ISBN/EAN: 9783940357731
Sprache: Deutsch
Umfang: 168 S., farbig illustriert
Format (T/L/B): 1.5 x 20.5 x 14.5 cm
Einband: Halbleinen
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In diesem Buch entfalten sich mathematische, philosophische und technische Betrachtungen über die kombinatorischen Couleurs von "Buntordnungen". Dabei gehen experimentelle Untersuchungen über das Erkennen und Empfinden der Farben, Helligkeiten und ihrer Kombinationen, Farben und Wörter seltsame Liaisons ein: von der Vielfarbigkeit römischer Wandmalerei über die Grisaille, die Camaieu gemalter Maserungen im Marmor, bis zur Gleichfarbigkeit von Grund und Muster, in der Allegorie der Allegorie - als Triumph, im Spiel. Dabei trifft sich die Ontologie von Farbnamen Ton in Ton mit dem Helmholtzschen Farbraum in der rigiden Geometrie der Begeisterung von Bernhard Riemann bis zum späten Wittgenstein. Ein greller Wechsel von Extremen verschmilzt die Kontraste und setzt sich fort bis in die Einzelheiten der Satz- und Wortfügung als ein Mosaikwerk wechselständig zusammengestellter Einzelteile, deren Wegzusammenhänge nicht unentwegt logisch, doch stets assoziativ verbunden sind.
Oswald Egger, geboren 1963 in Lana, Italien, lebt auf der Raketenstation Hombroich. Seit 2011 ist er Professor für Sprache und Gestalt an der Muthesius Kunsthochschule Kiel. Er erhielt u. a. den Peter-Huchel-Preis 2007, den H. C. Artmann-Preis 2008, den Oskar-Pastior-Preis 2010, den Preis der Stiftung Buchkunst für das schönste deutsche Buch 2010 sowie 2010 und 2013 den Karl-Sczuka-Preis, war 2012 Thomas-Kling-Poetikdozent in Bonn und 2014 Stipendiat der Villa Massimo. Oswald Egger ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Zuletzt erhielt er den Georg-Trakl-Preis für Lyrik 2017 und stand im selben Jahr mit seinem Buch "Val Di Non" auf der Longlist des Österreichischen Buchpreises.
Sehe ich den Sinn? Risse in der Iris überziehen das Sehnetz mit verhäkelndem Gestrick aus saumlos gemaschten Glänzlinien wie ein Weck- und Flächenblitz ausgestanzter Unlinien: Sondern Ebenbilder sind zu sehen, wie fast unsichtbar kleine Schemen, Bilder und Gestalten, die vor sich in Luft aufzugehen wissen, und binnenhaft zerzausten; jedoch nicht abbildlich sich-um-sich, aufmessend, einwägend; kaum in Spuren eines Spuks, sondern als glasgratartig wächsernes Gebildegewimmel von gleich und gleich ungleichmöglichen Figuren und Konturen in zusehends verschwindenderer, selbstverwischt infrafotografischer Schraffuren-Konfiguration: ein buntes Krakelee, das Ineinander-Bindseln von Vexier-Strichen regellos, verzottelt, jetzt kalben alle unzusammen voneinander, sie hoben und senkten sich: Fühler, ziegelige Fügsel, kochende Löcher und Ösen verbrennender Abbänderungen, Verscherbelungen und Trudelrauten zu unverschränkter Halbschatten: ganz wirrblig davon einanderkobernde, wieder und wieder eintaillierte Sprudelformen herab blak'ter Spunde, die aus nebeneinandergelaschten Firlefanz-Litzen unzusammengesetzt dünk'erten - und spindelig zerspelzen: als grisaille von Unfugen, wie zu behacktem Tuff rieseln sie herunter, mit aquatilem Takt, Alinea, auf dem tuschdunklen, mandelschalig hallenden Augengrund fast, die gedrängtesten Dinge gris-gris, das Land in sich, eine Unfülle von häufigen, ziellos moussierenden Formen ohne Form davon - wie Augenblicksgötter im Wiesenlicht.