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Bibliografische Daten
ISBN/EAN: 9783442457052
Sprache: Deutsch
Umfang: 320 S.
Format (T/L/B): 2.2 x 18.3 x 11.5 cm
Einband: kartoniertes Buch

Beschreibung

Mit ihrem unverwechselbaren trockenen Humor erzählt Margit Schreiner von den Irrwegen und Absonderlichkeiten der Liebe: von traumatischen Aufklärungsgesprächen, die ein junges Mädchen mit seiner Mutter führen muss, von folgenreichen Verständigungsproblemen bei einer österreichischen Hochzeit in Japan oder von einem kleinen Mädchen, dass beim ersten Italienurlaub prompt einen tief gebräunten Urlauber mit einem Neger verwechselt.

Autorenportrait

Margit Schreiner, geboren 1953 in Linz, studierte Germanistik und Psychologie in Salzburg und ging 1977 für drei Jahre nach Japan. Als freie Schriftstellerin lebte sie danach zunächst in Salzburg und Paris, später in Berlin und Italien - heute wieder in Linz. Für ihr bisheriges Werk wurde sie u. a. mit dem "Theodor-Körner-Preis" ausgezeichnet. Ihr erster Roman "Haus, Frauen, Sex" wurde von der Kritik hoch gelobt und war bei Presse und Publikum ein sensationeller Erfolg.

Leseprobe

Scheidung auf österreichisch »Ich wüßte nicht«, sagte mein Mann und blätterte nachlässig in einem riesigen Stoß von Papieren, »wo die Geburtsurkunde meiner Mutter sein könnte.« Ich horchte auf. Auf dem Schoß meines Mannes saß seine jüngste, zweijährige Tochter, die er mir gerade vorgestellt hatte. Sie klammerte sich an seinen Hals und sah mich mit vorgeschobener Unterlippe an, als wollte ich ihr den Vater wegnehmen. »Aber vielleicht«, sagte er, »verzichtet man ja darauf.« Er erinnerte mich an unsere Heirat und daran, wie der zuständige Standesbeamte schließlich doch auf die Geburtsurkunde des Vaters meines Mannes verzichtet hatte. »Mein Vater ist seit fünfundvierzig Jahren tot«, hatte mein Mann damals zu dem Beamten gesagt, »und kein Mensch weiß, wo genau er geboren ist.« Der Vater meines Mannes kam aus Istrien. Seine Mutter ist in der Bukowina geboren. »Ich finde meinen Staatsbürgerschaftsnachweis nicht mehr«, sagte mein Mann einige Monate später am Telephon. Ich hatte ihn in Triest angerufen, weil ich mich endlich scheiden lassen wollte. Er äußerte sich sehr entschieden dahingehend, daß ich seinen Staatsbürgerschaftsnachweis vor etwa einem Jahr in Empfang genommen und in unsere Scheidungsmappe eingereiht hätte. Aber dort war er nicht. In der Scheidungsmappe waren bis auf sein Maturazeugnis und einen alten, ungültigen Reisepaß ausschließlich meine eigenen Papiere, und das seit sieben Jahren. Wir hatten vor neun Jahren in Tokyo geheiratet. Der Entschluß war gefaßt worden, weil ich als ehemalige Lebensgefährtin meines in Tokyo an der Universität Deutsch unterrichtenden späteren Mannes keine Aufenthaltsgenehmigung in Japan bekommen hatte und gezwungen gewesen war, alle drei Monate aus Japan auszureisen, um vom Ausland aus ein neues Touristenvisum zu beantragen. Das war zeitraubend und kostspielig gewesen. Nach drei Jahren hatte ich gepaßt. Der Akt war sehr einfach gewesen. Wir fuhren nach der Arbeit mit der Schnellbahn von Tamagawagakuen, wo wir wohnten, nach Machida, wo das Gemeindeamt war. Ein freundlich lächelnder Herr legte uns ein mit Zeichenschrift eng bedrucktes Papier vor, das damals auch mein Mann noch nicht lesen konnte und das beglaubigt ins Deutsche übersetzen zu lassen uns dann bei der Scheidung eine schöne Stange Geld kosten sollte, wir setzten unsere Unterschrift darunter, und der freundlich lächelnde Herr setzte einen dicken roten Stempel über unsere Unterschrift. Im Anschluß daran feierten wir alle drei unsere Hochzeit, indem wir Sushi - rohen Fisch auf gesäuerten Reisbällchen - aßen, was meine Lieblingsspeise war. Es war einer der schönsten Tage unserer Ehe. Dann allerdings begannen die Schwierigkeiten. Die Beschaffung der Papiere, die die österreichische Botschaft in Tokyo zur Bestätigung unserer Heirat verlangte, erwies sich, zumindest was die Papiere meines Mannes anbelangte, als so kompliziert, daß wir in den Sommerferien nach Österreich fliegen mußten, um alles zu besorgen, was uns selbst an Ort und Stelle nicht vollständig gelang. Es hatte sich nämlich herausgestellt, daß in der damals noch vorhandenen Geburtsurkunde der Mutter meines Mannes an der letzten Ziffer des Geburtsjahres herumradiert worden war, weshalb der österreichische Standesbeamte eine Überprüfung und Bestätigung der Echtheit der Papiere im heutigen Rumänien verlangte, die sich über Wochen hinzog. Als die Papiere ungeprüft wieder zurückkamen (die Stadt, in der die Mutter meines Mannes geboren ist, oder zumindest das kirchliche Taufregister gibt es nicht mehr), gab der Standesbeamte auf. Er verzichtete nicht nur auf jede weitere Überprüfung unserer Papiere, sondern sogar, wie gesagt, auf die Geburtsurkunde des Vaters meines Mannes, was er zudem schriftlich bestätigte, so daß auch der Beamte bei der österreichischen Botschaft in Tokyo nach unserer Rückkehr auf die Urkunde verzichtete und, nachdem die Heiratsurkunde aus Machida sowie Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigung meines Mannes aus dem Japanischen ins Englische un Leseprobe